Sonntag, 24 April 2016 09:56

Schülerbericht: Der geile Türke von der Polizei

Dienstag, der 12. April. Wir, die angehenden Bankkaufleute aus der Klasse WK11a, erlebten statt 3 Stunden Rechnungswesen einen Vortrag über IT-Sicherheit im Internet. Drei Stunden Unterrichtsentfall sind zwar an sich ein Grund zur Freude - jedoch ein stundenlanger Vortrag eines Müchner Polizisten über das Internet? Ehrlich gesagt versprachen wir uns nicht allzu viel davon. In Vorträgen wie diesen erhält man oft Hinweise wie: “Das Internet ist böse und ihr kommt sinnbildlich alle in die Hölle, wenn ihr nicht aufpasst! Bla bla bla“. Doch dieser Vortrag war irgendwie anders. Es fing allein schon damit an, dass uns vorab mehrere Lehrkräfte erklärten, wie supertoll der Referent sei. Es wäre zwar wiederum seltsam, wenn sie über den Vortragenden abgelästert hätten -  aber seis drum.

 

Der Vortrag begann, er stellte sich vor: Cem Karakaya, der „geile Türke von der Polizei“. Er arbeitet bei Interpol, hat eine eigene IT-Firma, das Personal zusammengesetzt aus "Verbrechern und Hackern", die in früheren Einsätzen geschnappt wurden. Er kam uns vor wie der Super-Agent des Cyberspace.

 

Sein Vortrag „Internet - neue Möglichkeiten, neue Gefahren“, hatte auf jeden Fall schon mal einen ansprechenden Titel. Wir merkten direkt in den ersten fünf Minuten, was für eine Art Vortrag auf uns zu kam. Herr Karakaya ging mit enorm viel Humor an die ganze Sache heran und sparte sich selbst dabei nicht aus. Bei mir persönlich war die Neugierde geweckt - und bei einigen ununterbrochen kichernden Schülerinnen hatte er es offensichtlich auch geschafft.

 

Quintessenz seines Vortrags, welcher ich mich absolut anschließe: die Schuld an Internetkriminalität liegt hauptsächlich bei den Menschen vor dem Computer selbst, statt bei den neuen Möglichkeiten im Cyberspace. Sei es durch menschliche Faulheit (Passwort:“1234“) oder durch extreme Leichtgläubigkeit („Ich bin von ihrer Bank und ich brauche sofort ihre PIN sowie ihre TANs!“). Oft sind die Menschen zu unvorsichtig. Oder die Täter schlicht „krank im Kopf“!

 

Herr Karakaya berichtete von einem Tierquäler-Video, in dem eine junge Frau Hundewelpen im Fluss ertränkt. Dieses Video verbreitete sich in diversen Internet-Foren, inklusive vollständigem Namen sowie Adresse und Telefonnummer der vermeintlichen Täterin: die 19-Jährige Katja aus unserer Region. Problem: Katja hatte mit dem Video rein gar nichts zu tun, hochgeladen hatte es der Ex-Freund des Mädchens, um sich für die gescheiterte Beziehung zu rächen.

 

Im Netz überschlug sich der Ärger, Morddrohungen gingen ein und mehrere Facebook-Gruppen formierten sich, um Selbstjustiz zu fordern. Sogar gegen die Eltern. In Afrika hungern Menschen, in Syrien herrscht Bürgerkrieg - aber bei Hundewelpen, da kennen die Deutschen kein Pardon. Das Mädchen musste unter Polizeischutz ins Ausland gebracht werden, die Kosten beliefen sich insgesamt auf mehrere Millionen Euro. Kosten, die dem gefassten Cyber-Mobber auferlegt wurden, zusätzlich zu seiner jahrelangen Haftstrafe. „Der Mensch ist krank!“, betonte Herr Karakaya.

 

Wir sind uns zwar nicht sicher, ob alle unterhaltsamen Geschichten von Herrn Karakaya in jedem Detail der Wahrheit entsprechen - doch sie haben geholfen, uns für die derzeitige Situation im Internet zu sensibilisieren: Vorsichtig sein, skeptisch sein, Updates installieren - und das Hirn einschalten!

 

Alles in allem war es ein sehr kurzweiliger und informativer Vortrag, der nur weiter zu empfehlen ist. Vielen Dank an Herrn Karakaya und Frau Maurer sagen Jonas Hensler und die Klasse Wk11a.