Die BI 10a in der Pinakothek der Moderne

„Ich gehe nicht ins Museum!“

„Doch, auch Sie kommen mit!“

„Nein!“

„Doch. Wir sehen uns dann morgen in der Pinakothek.“

Pinakothek der Moderne – klingt anspruchsvoll. Am Museumseingang empfangen uns zwei Museumspädagogen sehr freundlich. Wir sind für einen Klangworkshop angemeldet – Moderne Kunst zum Hören in einem so renommierten Haus. Gleich nach dem Empfang geht es in den normalerweise für Besucher abgesperrten Workshop-Bereich, wo schon Sitzwürfel aus dickem Karton bereitgestellt sind.

Zuerst bekommt jeder ein Namensschild. Dann zwei Schlagstöcke, mit denen alle Vornamen der Reihe nach auf den Sitzwürfeln getrommelt werden sollen. Nach diesem ersten Warm-up geht es in den ersten Stock zu einem Gemälde von Wassily Kandinsky aus dem Jahr 1913 mit dem Titel „Träumerische Improvisation“. Hier schaffen es die beiden Leiter des Workshops, dass wir Kandinsky hören und selbst anfangen mit DIN A4 Papier Töne und Klänge zu produzieren.

Wieder zurück in den Workshop-Räumen erleben wir in einer raumfüllenden Klangschnecke, wie man aus Servierschalen, Feilen in unterschiedlichen Längen, Spachteln in verschiedenen Größen, Metallplatten, kreuz und quer gespannten Saiten, Holzzylindern und vielem mehr Klänge hervorzaubert. Dann sind da noch Schläuche mit Metallkappen und trichterförmigen Endstücken, aus denen allerdings kaum einer einen Ton herauslocken kann.

Zunächst probieren wir alles ausgiebig aus, bevor wir die Aufgabe bekommen, ein Gemälde von Franz Marc mit dem Titel „Kämpfende Formen“ aus dem Jahr 1914 zu vertonen. Der Kampf Rot gegen Schwarz mit einer Fülle an bunten Zuschauern im Hintergrund. Inspiriert von all den bisherigen Eindrücken machen wir uns ohne weiteres und hochkonzentriert in Dreiergruppen an die Arbeit und komponieren Stücke, jedes überraschend anders und jedes voll Intensität. Zuletzt gibt es natürlich auch eine Performance. Jede Gruppe trägt ihre Komposition vor. Tatsächlich können wir hören, wer Schwarz, wer Rot und wer den Hintergrund vertont. Beeindruckend.

Ach ja, mein Ich-gehe-nicht-ins-Museum-Schüler ist einer der wenigen, der aus den Schläuchen mit den Trichtern konstant über 60 Sekunden Töne hervorbringen kann. Damit gibt er der Farbe Rot einen starken Klang. Ein schweißtreibender Job. Welch‘ Glück für meine Gruppe, dass er doch mitgekommen ist 🙂

von Firengiz Degler